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Perfektes Einkommen zum glücklich sein

Posted on:13. Oktober 2015

Author:Markus Köhler

Category:Gesellschaft/Politik

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Der Empfänger des diesjährigen Wirtschaftsnobelpreises, Angus Deaton, hat vor 5 Jahren in einer Studie festgestellt, welches Einkommen zum glücklich sein mindestens notwendig ist. Diese Studie hatte er in Zusammenarbeit mit einem weiteren Wirtschaftsnobelpreis-Träger, Daniel Kahneman, der die Auszeichnung schon im Jahr 2002 erhalten hatte, veröffentlicht.

Demnach wurden 450.000 Amerikaner befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Leben seien und wie viel sie verdienten. Die Antworten belegten, dass für ein allgemeines Wohlbefinden ein Einkommen von 75.000 US-$/Jahr (brutto) vonnöten ist. Darunter ist man unzufrieden, weil man sich nicht alles (vermeintlich) zum Leben notwendige leisten kann – darüber ist man unzufrieden, weil man für mehr Geld meist härter arbeiten muss und daher die Freizeit und das soziale Umfeld leidet.

Natürlich ist diese Zahl mit Vorsicht zu genießen. Es wäre ein Fehler, dieselbe Zahl ungefragt auch für europäische Verhältnisse zu adaptieren. Zunächst einmal spielt der Währungskurs eine Rolle. Stand heute wären 75.000 US-$ umgerechnet 65 897,28 EUR. Außerdem sind die Lebenshaltungskosten in den USA auch ganz andere als in Europa – nehmen wir als (nicht ganz repräsentatives) Beispiel einmal Deutschland. Beispielsweise zahlt man laut statistischen Daten aus Amerika dort für eine Wohnung mit einem Schlafzimmer, wie es in Deutschland Standard ist, im Durchschnitt 984 $, entspricht heute 864,57 EUR. Da man hierzulande eher nach Wohnungsgrößen in Quadratmeter rechnet, schauen wir uns im Vergleich mal eine 80 qm große Wohnung an, diese kostet im Durchschnitt 586,40 EUR Miete. Aber in dicht besiedelten Gebieten in Amerika geht die Miete am Beispiel von Los Angeles mit einem Schlafzimmer in der Wohnung auf im Durchschnitt 1983 EUR hoch, umgerechnet also 1742,32 EUR – in Deutschland, wo man Hamburg zu einer der teuersten Gegenden rechnen kann, kostet dort eine 80 qm-Wohnung nach Daten von ImmobilienScout24 im Durchschnitt 1429,50 EUR. Daraus schließen wir, Wohnen ist in Amerika per se schon mal teurer, umgerechnet in beiden oben genannten Beispielen knapp 280 EUR teurer als in Deutschland. In verschiedenen Online-Quellen rund um Auswanderung in die USA heißt es, sonstige Lebenshaltung in Amerika sei in etwa gleich teuer wie in Deutschland. Allerdings ist ein enorm wichtiger Faktor nicht von der Hand zu weisen: die soziale Absicherung. In Deutschland haben wir ein (mehr oder weniger) intaktes Sozialsystem mit Versicherungen etc. für Arbeitnehmer und auch staatliche Hilfen für Arbeitslose. Aber der Intaktheitsgrad des deutschen Sozialstaates wäre Stoff für zahllose weitere Blogartikel, darüber möchte ich mich an dieser Stelle nicht auslassen. Fakt ist, die soziale Absicherung in den USA ist bei weitem nicht so weit fortgeschritten – falls man sagen kann dass sie überhaupt vorhanden ist. In Amerika heißt es bekanntlich, man könne durch Eigenleistung vom Tellerwäscher zum Millionär werden, und das in vertretbarer Zeit. Was ist allerdings, wenn man vom Millionär wieder zum Tellerwäscher abstürzt – oder noch schlimmer, in tiefe Schulden stürzt? Das einzige Instrument zur sozialen Absicherung, das aktuell in Amerika implementiert ist, ist die Krankenversicherung für jeden US-Bürger. Bislang nicht verpflichtend, aber zumindest einmal eine Option, die jeder vernünftige Mensch wählen sollte. Man denke nur an die Kosten, die ohne Krankenversicherung im Krankheitsfall auf jemanden potentiell zukommen können. Dennoch, gibt es aktuell keine erwähnenswerte Arbeitslosenversicherung, Unfallversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung etc. mit Förderung von staatlicher Seite, wie man sie in Deutschland als selbstverständlich erachtet. Somit ist ein – zum Teil deutlich – höheres Einkommen in Amerika im Vergleich zu Deutschland durchaus gerechtfertigt, da jeder selbst zum Großteil für seine Absicherung für etwaige Risiken und auch die Altersvorsorge sorgen muss.

Das bedeutet aber auch – um auf die Anfangsthese dieses Artikels zurück zu kommen – dass das Gehalt, mit dem man ein rundum zufriedenes Leben führen kann, in Deutschland u.U. in Umfragen signifikant niedriger wäre als in den USA. Heute morgen habe ich z.B. in diversen Foren gelesen, dass schon 45.000 EUR Jahresgehalt von vielen Leuten als vertretbares Einkommen gewertet werden, da manche zu zweit nicht einmal dieses Einkommen erzielen und dann noch Haus und Kinder und Auto etc. unterhalten müssen und das auch schaffen. Auf jeden Fall lässt sich sagen, dass die zufrieden stimmende Einkommensschwelle zu einem großen Teil auch vom (selbst gesetzten) Lebensstandarf abhängt. Wer einen öffentlichkeitswirksamen Beruf hat und sich dementsprechend präsentieren sollte, was auch ins Geld gehen kann, verdient selbstverständlich tendenziell mehr als jemand in dienstleistungsnahen Berufen.

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