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Palazzo Mannheim 2014-2015

Posted on:29. Dezember 2014

Author:Markus Köhler

Category:Kritik/Empfehlung

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Am Samstag, den 27. Dezember 2014 durfte ich mit meiner Freundin wieder einmal zu Gast im Palazzo sein. Das war der dritte angepeilte Termin. Zwei versuchte Reservierungen zuvor wurden abgelehnt, da das Palazzo bei einer Reservierung einen Monat im Voraus schon jeden Tag komplett ausgebucht war. Aber natürlich wurde das Palazzo auch dieses Jahr allen Ansprüchen gerecht, da lohnt sich das lange Warten auf zwei Plätze allemal.

Nach dem Eintreffen wurden wir am Tisch (Loge) zeitnah von dem für die Getränke zuständigen Chef-Kellner begrüßt und er informierte uns über die Grundlagen der Getränke-Auswahl. Als Aperitif genehmigten wir uns jeweils einen Campari Fresh Orange, ich hatte danach einen Chianti und zum Verdauen vor dem Dessert einen Espresso, meine Freundin begnügte sich mit einem alkoholfreien Palazzo-Cocktail; die obligatorische Flasche Wasser stand schon auf dem Tisch bereit.

Ich will auf das (nicht-vegetarische) Menü und die Show separat eingehen. Zunächst einmal rund um das Menü:

Der Kreateur des 4-Gänge-Menüs der Extraklasse ist Harald Wohlfahrt, der 3-Sterne-Chefkoch, welcher zum wiederholten Male zum besten Koch Deutschlands ausgezeichnet wurde. Bereits 1988, nur 8 Jahre nach seinem Abschluss als Küchenmeister, verleiht ihm der Gault Millau 19 Punkte und schreibt: „[…] Alles bei Harald Wohlfahrt schmeckt zum Niederknien. […] ein […] Mozart der Kochkunst.“ Sein Restaurant „Schwarzwaldstube“ erhält seit 23 Jahren die maximale Bewertung in allen deutschen Restaurantführern und gilt als eine der weltbesten Gourmet-Adressen. Wer in diesem Restaurant am Wochenende dinieren möchte, sollte schon ein Jahr im Voraus einen der 35 begehrten Plätze reservieren.

Der erste Gang bestand aus einer Trilogie von schottischem Lachs auf Limonen-Crème-Fraîche, Gurkenrelish, Guacamole und Shiso-Kressen. Der Lachs hätte unterschiedlicher nicht sein können, drei komplett verschiedene Geschmackserlebnisse auf einem Teller. Aber alle drei harmonierten vorzüglich mit dem zugrundeliegenden Gurken-Relish und den hübsch am Rand angerichteten Guacamole-Crème-Spritzhäufchen. Die subtile Limonen-Crème-Fraîche und die dezent über den Fisch verteilten Shiso-Kressen rundeten diesen Gang gekonnt ab.

Der zweite Gang, ein Gratin von Meeresfischen und -früchten auf gedämpftem Lauch und Estragon-Mousseline-Sauce, war kein klassischer Gourmet-Gang. Einiges war gewöhnungsbedürftig. Ich hatte die Menge des in der Sauce Mousseline angebrachten Lauchs zu monieren; meine Freundin war als Vermeiderin von Meeresfrüchten von der Garnele nicht sehr angetan. Auf den zweiten Blick war die Komposition natürlich gewohnt ausgetüftelt sowie harmonisch zusammengestellt und angerichtet worden. Die Estragon-Mousseline-Sauce war recht fein, schön schaumig und auf der Zunge zergehend. Das Gratin der Meeresfische und -früchte war auch gut zubereitet und von einer sehr angenehmen Konsistenz, nur fand ich auch die Garnele relativ unbekömmlich, da sie relativ groß war und wie ich fand auch schwer zu beißen, zumindest die äußerste Schicht, was ja aber nicht die Schale gewesen sein kann… Nunja, aber Harald Wohlfahrt wird sich etwas positives dabei gedacht haben.

Der dritte Gang war eine Tranche vom Kalbsrücken mit Barbecuelack und Kräutern gegart, Bohnenallerlei, Gewürztomate, Kartoffelgratin und Rosmarinsauce. Hier fand ich auch die Kalbsrücken-Tranche etwas zu breit geschnitten, meiner Freundin war sie zu blutig, meine komischerweise nicht. Der Barbecue-Lack wäre mir nicht aufgefallen, genausowenig wie die Kräuter. Aber das Bohnenallerlei war sehr fein und genussvoll mit dem Fleisch harmonierend. Das Kartoffelgratin war schön vollmundig und zart, hätte aber meiner Meinung nach noch ein wenig Würze vertragen können. Die Rosmarinsauce befand ich eher als Bratensauce, bei der der Rosmarin nicht so richtig zur Geltung kam, aber doch hat sie mit dem Fleisch harmoniert. Die Cocktail-Gewürztomate war ein gelungener Abschluss auf dem Teller.

Zum Schluss gab es dann noch ein Schokoladenfondant mit glasierten Bananen, Passionsfruchtcoulis und Sauerrahmeis. Diesen Gang hätte ich anders interpretiert, ich hielt das Coulis für Himbeere und das Eis für Zitrone, zusätzlich fanden sich auf unseren Tellern auf den Bananenscheiben noch Himbeeren. Das Fondant hätte ich auch eher als Brownie befunden, aber es war sehr fein, noch warm, auf der Zunge zergehend und mit genau der richtigen Menge Puderzucker versehen. Alles in allem ein sehr feines und gelungenes Dessert.

Die Show. Zu Beginn durften wir über Andriy Romanovski staunen, den „Kautschukmann“, der wie kein anderer die seltene Körperbiegekunst „Klischnigg“ beherrscht. Beeindruckend, wie er zusammengeplappt wie ein Taschenmesser in ein einges Rohr und komplett hindurch schlüpft. Dann natürlich die mit Humor gespickte Moderation von Chris Kolonko, dem Travestie- und Verwandlungskünstler, der seit über 20 Jahren mit extravaganten Kostümen hochkarätige Veranstaltungen moderiert. Auch als Oma Berta begeistert er mit enormer Krativität, Vielseitigkeit, Professionalität und einem gesunden Maß Selbstironie. Auch Desire of Flight, die beiden Strapaten-Künstler und Goldmedaillengewinner des Monte Carlo Zirkus Festivals konnten mit ihrer leidenschaftlichen und atemberaubenden Performance überzeugen. Anschließend verführten uns die Trapezkünstler Duo Nostalgia mit ihrer durchchoreographierten Luftakrobatik-Nummer direkt über den Köpfen des Palazzo-Publikums, übrigens Gewinner des Goldenen Clowns in Monte Carlo. Auch die Giang Brothers aus Vietnam überzeugten mit ihrer Kraftakrobatik-Darbietung, für die sie täglich bis zu sieben Stunden trainieren und auch schon prämiert wurden. Dann natürlich zwischendurch immer wieder das Amüsement durch Hertha und Berta, das Comedy-Duo mit Chris Kolonko in der Rolle der Berta, mit feinem Wortwitz und erfrischenden Pointen, Angriff auf die Lachmuskeln garantiert. Marvin Broadie, der Lead-Sänger der „Soultans“ behauptete sich zwischendurch mit wirklich einwandfreien Darbietungen, begleitet unter anderem von Palazzo-Dauer-Pianist und einem der weltweit besten Piano-Entertainern, Rick Coleman, der mit dem Piano auch während dem Essen begleitete. Ein weiteres Highlight war Natalya Netselya, die Sandmalerin welche es 2010 ins Finale des Supertalent schaffte und schon 2011 im Palazzo zu Gast war. Mit komplizierter Kameratechnik war es möglich, dass alle Palazzo-Gäste über Leinwände ihrer beeindruckenden Sandmalerei zusehen konnten. Etwas, was es so noch nie im Palazzo gab: Die spektakuläre Performance von Pavel Volandas am Vierer-Reck wurde eigens für die Palazzo-Manege inszeniert. Waghalsige Sprünge – hautnah zwischen den Gästen – sind diesem Ausnahme-Sportler nicht genug; absoluter Höhepunkt der Show ist der Moment, wenn er sich noch zusätzlich die Augen verbindet und sich völlig blind zwischen den Reckstangen rotiert. Auch zum ersten Mal in der Palazzo-Geschichte wurde die Show zwischendurch von ganzen neun Revue-Tänzerinnen begleitet. Hochgeschwindigkeits-Akrobatik der Extraklasse verspricht das Duo „Skating Flash“, wenn sie auf ihren Skates auf dem Tableau in der Manege umherwirbeln. Last but not least war Stefan Krznaric mit seiner E-Violine ein musikalischer Höhepunkt der Show. Der Mannheimer studierte bereits im Alter von 6 Jahren an der Musikhochschule Karlsruhe die Geige. Kaum zu glauben, dass er in dieser virtuosen Schnelligkeit und Perfektion komplett live spielt.

Abgerundet wurde die Show am Ende durch den Song „Friends Will Be Friends“ von Queen, gesungen von Marvin Broadie und begleitet von Rick Coleman am Piano – mit allen Artisten auf der Bühne wurde somit noch einmal das Motto des Palazzo unterstrichen: „Mit allen Sinnen genießen“ – einer von vielen Gänsehaut-Momenten an diesem spektakulären Abend.

Ach übrigens, wussten Sie schon, dass das Palazzo-Spiegelzelt weit mehr als 1.000 Spiegel hat, die jeden Tag poliert werden? In einer Spielzeit werden 21.000 Flaschen Mineralwasser, 26.100 Flaschen Wein, 8.000 Flaschen Champagner und 5.000 Weingläser benötigt, 18.000 Tassen Kaffee zubereitet und 36.400 Kerzen entzündet. Jeden Abend kommen 2.000 Gläser, 2.000 Teller und 2.000 Besteckteile zum Einsatz. Das Besteck erstreckt sich ausgelegt auf eine Strecke von 39km, die Servietten auf 26km und die Tischwäsche auf 11km. Die Getränke werden von 16.000 Kilogramm (16 Tonnen) Eis kühl gehalten. Und das Servicepersonal legt jeden Abend 20km im Spiegelzelt zurück, also in einer Spielzeit etwa 2.600km, das ist 1,5 mal der Radius des Mondes.

Na, haben Sie auch Appetit bekommen auf einen Abend der Extraklasse von deutschlands bestem Gourmet-Koch und einem Show-Programm ungeahnter Perfektion und Güte? Dann sichern Sie sich eine der begehrten Tickets für Palazzo! Immer zwischen Oktober und Februar in Mannheim. Für mich ein Pflicht-Termin jedes Jahr.

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